Grafikprogramme

2.3 Grafikprogramme

Grafikprogramme sind der geglückte Versuch, nichts ahnenden Menschen 800 € für das Versprechen abzuknöpfen, er könne mit rund 300 leicht zu merkenden Befehlen Bleistift, Lineal und Radiergummi ersetzen und hätte trotz des Programms noch die Zeit, sich aus das zu konzentrieren, was er ursprünglich eigentlich zeichnen wollte.

Unter die Kategorie Grafikprogramme fallen für professionelle Arbeiten unbrauchbare Malprogramme, für künstlerische Arbeiten unbrauchbare Zeichenprogramme sowie für jeden klar denkenden Menschen unbrauchbare CAD-Programme.

Malprogramme geben Farben auf dem Bildschirm richtig, auf dem Farbdrucker falsch und auf dem Schwarzweiss-Drucker gar nicht wieder. Zeichen- und CAD-Programme hingegen geben einfarbige Linien auf dem Bildschirm richtig und auf Farb- und Schwarzweiss-Druckern falsch wieder. Alle drei Programmarten geben jedoch auf jeden Fall das, was auf dem Bildschirm schwarz beziehungsweise weiss war, auf dem Ausgabegerät schwarz beziehungsweise schwarz wieder.

Die Rücknahmepräzisierungen:
Die Undo-Funktion funktioniert nur, solange du sie nicht brauchst.
Im besten Fall nimmt sie die Aktion zurück, die du als vorletztes durchgeführt hast. Die Auswirkungen deiner letzten Aktion bleiben erhalten.
Gesetze vom phantasievollen Bildschirmadapter
Ellipsen werden als treppenförmige Eier dargestellt und ausgedruckt.
Treppenförmige Eier bleiben treppenförmige Eier.
Eine Linie beginnt immer einen Pixel daneben.
Kreise sind keine Kreise.
Ein 10-Punkt-Raster mit 32 Grad Neigung wird spätestens auf dem Drucker zu einem schmierigen Etwas.
Auch jedes andere Raster wird spätestens auf dem Drucker zu einem schmierigen Etwas.
Auch jedes Füllmuster wird spätestens auf dem Drucker zu einem schmierigen Etwas.
Eine als schmieriges Etwas angelegte Fläche wird spätestens auf dem Drucker ein geometrisch exaktes, sofort als Computergrafik erkenntliches unbrauchbares Etwas.
Ausnahmen:
Sollen zwei Linien einen Pixel Abstand voneinander haben, dann werden sie sich überlappen.
Kreise sind dann (und nur dann) Kreise, wenn du sie als Ellipsen zeichnest. Dann wird sie der Drucker korrekt als treppenförmige Eier ausgeben.
Eine Verwischfunktion erzeugt immer gleichmässige, exakt parallele Linien.
Die Animationsallegorie
Drag&Drop ist die Methode, etwas sehr langsam und mühevoll über den Bildschirm zu bewegen. Animation auch.

Präzisierung der Animationsallegorie
Wenn der Hersteller eines Grafik- oder Webdesign-Programms behauptet, sein Produkt unterstütze "Animated Gifs", dann bedeutet das nur, dass er dich dazu animieren will, sein Produkt zu kaufen.

Digitale Einsamkeitsregel:
Dein Grafikprogramm ist das einzige auf dem Markt, dass

die mit deiner Digitalkamera eingelesenen Bilder nicht verarbeiten kann
deine Textverarbeitung nicht versteht
mit deinem DTP-Programm nicht zusammenarbeitet.
Konsequente Fortführung der digitalen Einsamkeitsregel:
Das bemerkst du erst, wenn die Rechnung für das Programm bezahlt ist.

Andreas' Font-Regeln
Es gibt nur drei Arten von Schriften:

Die hässlichen.
Die falschen.
Diejenigen, die dein Drucker nicht druckt und das Belichtungsstudio nicht verarbeiten kann.
Die EPS-Verschärfung:
EPS-Dateien, die dir vorliegen, werden die alle Schriften eingebettet haben.
Das wirst du erst nach der Belichtung feststellen.
Ernsts Organigrammseufzer:
Du wirst ein Organigramm nie komplett ins Arbeitsfenster bekommen.
Du wirst es auch nicht komplett auf eine Druckseite bekommen.
Du wirst es auch nicht auf mehrere Druckseiten bekommen.
Du wirst es überhaupt nicht bekommen.
Erste Verschärfung:
Der entscheidende Fehler ist stets ausserhalb des Bildschirms.

Zweite Verschärfung:
Erst wenn das Ablaufdiagramm als Ausdruck auf dem Schreibtisch deines Chefs liegt, wirst du feststellen, dass du vergessen hast, die entscheidenden Teile vor dem Ausdruck wieder einzublenden.

Dritte Verschärfung:
Die einzige Managementposition, die deine Organigramm-Software stets unterschlagen wird, ist die deines Chefs.

Bildhafte Erkenntnisse:
Kein Bildverarbeitungsprogramm ist in der Lage, aus einer verschwommenen, unscharfen Vorlage etwas anderes zu machen als etwas Verschwommenes und Unscharfes.
Kein Bildverarbeitungsprogramm ist in der Lage, aus einer vorzüglichen Vorlage etwas anderes zu machen als etwas Verschwommenes und Unscharfes.
Die TNT-Regel:
Der Zusammenhalt innerhalb kombinierter Grafikobjekte bei einem Grafik- oder DTP-Programm ist stabil, solange du es in Ruhe lässt. Sobald du versuchst, etwas mit ihm zu tun - es beispielsweise zu verschieben, umzufärben oder anzusehen - werden die einzelnen Objektteile sich gegeneinander so verschieben, dass es dir unmöglich ist, sie jemals wieder passend anzuordnen.

Logische Ausnahme:
Nicht zusammengehörende Teile wird du nie wieder voneinander trennen können.

Michaels Konvertiererkenntnisse:
Wenn du eine Grafik von einem Programm in ein zweites übertragen willst, werden wahlweise Quell- oder Zielprogramm keinen passenden Im- oder Exportfilter besitzen.
Eines der beiden Programme wird Daten auch nicht über die Zwischenablage austauschen können.
Versuchst du die Grafik zu konvertieren, wirst du stets drei Grafikkonvertierungsprogramme benötigen: eines, das das Ausgangsformat lesen kann, eines, das das Zielformat schreiben kann, und ein drittes, das die Daten für beide aufbereiten kann.
Du wirst stets nur zwei von drei Programmen besitzen.
Letzte Konsequenz aus Michaels Konvertiererkenntnis:
Statt eines Konvertierungsprogramms kannst du auch den Löschbefehl benutzen. Das Ergebnis ist dasselbe.

Peters Standardregel:
Jedes neue Grafikprogramm wird sein neues Bildformat als Standard ausgeben und kann auch nur dieses lesen und schreiben.

Logische Erweiterung:
Dein neues Grafikprogramm wird alles lesen können - nur nicht das Bildformat des alten.

Die TIFF-Steigerung von Peters Standardregel:
Wenn dein Grafikprogramm dennoch ein gängiges Bildformat lesen kann, dann nur in seiner ungebräuchlichsten Form.

Biancas Regel für Businessgrafik-Programme:
(Leitsatz)
Du wirst deine Daten nie in einer vernünftigen Form aufbereiten können.

Biancas Regel für Businessgrafik-Programme:
Konkretisierungen:
Bein einem senkrechten Balkendiagramm werden die Balkenbezeichnungen zu lang sein, um sie komplett unter dei Balken zu bekommen.
Bei einem waagerechten Balkendiagramm werden die Balkenbezeichnungen zu lang sein, um Balken und Bezeichnungen komplett auf die Seite zu bekommen.
Bei einem Tortendiagramm ist immer ein Tortenstück so klein, dass du die Bezeichnungen nicht darauf setzen kannst.
Wenn du versuchst, die Bezeichnungen der Tortenstücke aussen zu plazieren, wirst du immer mehrere kleine Tortenstücke haben, so dass sich die Bezeichnungen überlappen.
Bei einem Liniendiagramm wird immer ein Wert so gross sein, dass die Unterschiede bei den anderen nicht mehr erkennbar sind.
Bei einem Area-Chart wird der unwichtigste Wert immer unten liegen und sich am stärksten verändern, so dass die Veränderungen der anderen nicht mehr erkennbar sind.
Für ein Text-Chart hast du immer zu viel Text.
Bei einem Korrelationsdiagramm wird nie die Korrelation deutlich.
Erweiterungen:
Zwei verknüpfte und überlagerte Charts wirst du nie wieder voneinander trennen können.
Du wirst bei jedem Fehler beide Charts neu aufbauen müssen.
Die wirklich interessanten Stellen beider Charts werden sich in jedem Fall überdecken.
Die Korrelationen:
Jedes vektororientierte Zeichenprogramm ist so anständig zu sich selbst, dass es einer importierten Bitmapgrafik mit tiefer Verachtung begegnet.
Du wirst immer nur die Bitmap-Grafik oder die Vektorgrafikelemente auf dem Bildschirm zu sehen bekommen.
Die Bitmap-Grafik wird immer so skaliert sein, dass du sowohl auf dem Monitor als auch auf Drucker und Belichter Moirés zu sehen bekommst.
Die wichtigsten Funktionen deines Vektorgrafikprogramms wirst du für die Bitmap-Grafik nicht anwenden können.
Wenn du versuchst, die Bitmap-Grafik zu vektorisieren, wird eine vorhandene Auto-Trace-Funktion wahlweise zu viel oder zu wenig glätten.
Du erhältst deshalb alternativ stets entweder ein mit dem Bitmap-Original unähnliches, nur fünf Bezierpunkte umfassendes oder ein mit dem Bitmap-Original unähnliches, fünftausend Bezierpunkte umfassendes, jede Pixeltreppe nachfahrendes und nicht mehr zu bearbeitendes Vektorgrafikobjekt.
Axiom von der kompletten Füllung:
Egal wie die Form aussieht, die du mit einem Raster oder einem Muster füllen willst: Das Programm findet immer Mittel und Wege, den kompletten Bildschirm einzuschwärzen.
Dieser Vorgang ist nicht revidierbar.
Hast du alle Linien und Übergänge doppelt und dreifach darauf untersucht, dass ein Füllmuster nicht aus der zu füllenden Form entwischen kann, wirst du mit dem Füllwerkzeug daneben klicken.
Die Klick&Move-DTP-Gesetze
(auch als "Ja-mach-nur-einen-Plan"-Dilemma bekannt:
Klickst du auf einer gelayouteten Seite auf einen Kasten, um ihn zu verschieben, wirst du den ihn umgebenden Text bewegen.
Klickst du auf den Text, um ihn zu verschieben, wirst du lediglich den Kasten bewegen.
Willst du beides verschieben, bewegen sich die Spaltenhilfslinien.
Keiner dieser Vorgänge ist rückholbar, die Rücknahme-Funktion wird nicht funktionieren.
Ist einer der Vorgänge revidierbar, so wird sich irgendetwas um einen Punkt verschieben und das gesamte Layout ruinieren.
Friedemanns DTP-Theorem:
Dass dein System über einen PostScript-Treiber verfügt, heisst noch lange nicht, dass es auch EPS-Dateien und Schriften druckt.

Das Berkeley-Systems-Gesetz:
Bildschirmschoner schalten sich nur dann ein, wenn er stört, zum Beispiel, wenn dein Grafikprogramm gerade dabei ist, eine komplexe Zeichnung aufzubauen. Dann wirst du gezwungen sein, die Maus zu bewegen, um den Zeichnungsaufbau erneut zu verfolgen.